Zwangspause

Unser Blog von MTB-Profi Nadine Rieder

Passend zu meiner Verletzungspause in diesem Jahr möchte ich ein paar Einblicke in meinen Alltag nach der OP geben, aber auch darüber berichten, wie es manchmal etwas schwerer ist, das alles zu akzeptieren. Natürlich hoffe ich, dass ihr alle soweit möglich von Verletzungen und Zwangspausen verschont bleibt, dennoch gebe ich ein paar Tipps für den „Ernstfall“.

Wir wissen alle, dass im Leben meistens alles anders kommt, als geplant. Genau das habe ich nach erfolgreicher Saisonvorbereitung mal wieder am eigenen Leibe erfahren. 

Ein eigentlich unspektakulärer Sturz Anfang April hat meinen großen Traum einer Teilnahme bei den Olympischen Spielen platzen lassen. Nach dem Sturz wollte ich den Ernst meiner Verletzung nicht wahrhaben und habe daher mit Physio und starkem Willen weitergemacht, bin Rennen gefahren und habe beim Teamcamp teilgenommen. 

Meistens sagt einem der Körper aber schon, wie es um einen steht und das Gefühl lügt nicht. Trotz allem bin ich froh, dass ich es versucht habe und auch wenn der Plan nicht aufgegangen ist, werde ich mir nie vorwerfen „was wäre wenn…“ oder „Hätte ich es mal probiert“. Ende Mai war meine Knöchelverletzung dann mittlerweile so schlimm, dass ich mich operieren lassen musste (gerissene Bänder sowie Fraktur der Talusschulter und weitere Mikrofrakturen sowie ein loses Fragment im oberen Sprunggelenk). 

Nachdem ich diese Nachricht verdaut hatte und wusste, dass es nun keine andere Möglichkeit mehr gibt, blieb mir nichts anderes übrig als das Beste draus zu machen. Ich bin ein sehr optimistischer und positiver Mensch, jedoch waren die ersten Tage nach der OP extrem schwer. Dadurch, dass ich wirklich gar nichts machen durfte und den ganzen Tag liegen musste, gab es keine Ablenkungen und die ganzen Gedanken und Gefühle kamen an die Oberfläche. Ich gebe auch ehrlich zu, dass in dieser Zeit einige Tränen geflossen sind. Hier denke ich aber, dass es ganz wichtig ist, auch diese Gefühle zuzulassen, denn unterdrücken geht auf Dauer nicht gut und wenn man sich von allem befreit hat, fängt man automatisch an, sich wieder auf die positiven Sachen zu konzentrieren. 

Ich habe viel Zeit damit verbracht, zu schreiben. Das ist wirklich ein tolles Hilfsmittel, wenn einem mal der Kopf schwirrt. Meistens weiß ich gar nicht, was ich schreiben will, aber sobald ich den Stift in die Hand nehme, geht es von ganz alleine und es ist richtig befreiend, einfach alles loszuwerden. Danach geht es einem deutlich besser. Daher empfehle ich wirklich jedem, das mal auszuprobieren. 

Nachdem meine Narben am Fuß geheilt waren, durfte ich glücklicherweise Schwimmen gehen. Dies hat mir sehr geholfen, da ich mich so weiterhin fit halten konnte. Wenn man gewohnt ist, sich täglich zu bewegen, ist es wichtig, dass man versucht, das irgendwie beizubehalten. Bevor das mit dem Schwimmen geklappt hat, habe ich einfach versucht Übungen für den Oberkörper zu machen. Nicht nur mental ist es wichtig, ein bisschen aktiv zu sein bzw. eine Aufgabe zu haben, sondern auch für den Stoffwechsel und die Wundheilung ist dies von großer Bedeutung. 

Man muss zwar manchmal etwas kreativ sein, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Deshalb habe ich es auch geschafft, mich in der Küche zu bewegen und leckere Mahlzeiten zuzubereiten. Auch hier ein wichtiger Tipp. Viele denken, bei Verletzungen die Energiezufuhr stark einzustellen, da man ja lange nicht mehr so viel macht, wie wenn man gesund ist. Das ist jedoch die völlig falsche Ansicht, denn gerade in dieser Phase braucht der Körper gute und nahrhafte Lebensmittel. Es gibt viele Möglichkeiten, natürliche Produkte zu verwenden, die beispielsweise entzündungshemmende Wirkungen haben. Hier lohnt es sich wirklich, ein bisschen nachzuforschen und das Bestmögliche rauszuholen. 

Ein weiterer Bestandteil meiner Reha-Zeit war eine kurze, tägliche Meditation. Auch hier kann man gezielt das betroffene Körperteil mit einbeziehen und die Heilung fördern. 

All diese Dinge helfen wirklich, eine Routine beizubehalten und nicht komplett „in der Luft zu hängen“. Ich habe acht Wochen Krückenzeit überstanden. Nachdem ich die Verletzung so lange rausgezogen und immer weitergemacht habe, habe ich gelernt, dass es manchmal nur hilft, geduldig zu sein und dem Körper die nötige Ruhe zu geben. Dieses Mal hat sich die Geduld ausgezahlt und ich darf mittlerweile wieder auf dem Rad trainieren.

Hier nochmals zusammengepasst meine Tipps bei jeglicher Zwangspause:
– Auf den Körper hören
– Gefühle (auch negative!!!) zulassen und niemals unterdrücken
– Geduldig sein
– Aufgaben finden (Lesen, eine neue Sprache lernen, …)
– Schreiben, um das Gedankenwirrwarr im Kopf zu ordnen und loszuwerden
– Gesunde Ernährung
– Alternativtraining je nach Möglichkeit
– Meditation

Bilder: @theattentionbuilders

Mehr über Nadine erfahrt ihr unter:
www.nadinerieder.com

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