Im Höhenrausch

Gewinnspiel: Schnupperstunde Schweiz – Frühling

Drei Frühlingstage hoch über den Gletschern des Engadins

Kehre für Kehre machen wir größere Augen. Die Fahrt von St. Moritz in Richtung Berninapass ist an sich schon ein echtes Highlight – vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Dann aber strahlen einem schon sehr bald gigantisch große Gletscher entgegen. An der berühmten Montebello-Kurve kurz hinter Morteratsch, gipfelt die Aussicht schließlich im wahrsten Sinne des Wortes in einem überprächtigen Panorama. Der Piz Bernina, einziger 4000er der Ostalpen, dominiert dieses Bild. Piz Morteratsch und sein gleichnamiger Gletscher vervollständigen es geschickt und lassen eine fast schon kitschige Alpen-Prachtaussicht entstehen. Genau hier fahren einem außerdem die weltberühmten, knallroten Wagons des Bernina-Express entgegen. Postkartenidylle! 

Hoch überm Gletschereis
An der Talstation der Diavolezza-Bahn angekommen, packen wir sorgfältig unsere Rucksäcke. Uns steht ein kunterbuntes Programm bevor und wir werden erst morgen Abend wieder das Auto erreichen. Ski. Hüttenschuhe. Badehose. Lawinenausrüstung. Klettergurt. Fragende Blicke der Touristen nebenan gibt’s dafür gleich inklusive. 

Wenig später schweben wir mit der Großraumgondel fast 900 Höhenmeter bergauf. Dabei werden uns einmal mehr ganz neue Ausblicke geboten. Vor allem nach Süden zum wilden Berninapass und weiter ins dahintergelegene Val Poschiavo. Die Straße und die Bahngleise ziehen dort einsam durch eine scheinbar unberührte Natur. Kilometerweit ist nichts anderes zu sehen. Ein seltengewordener Anblick, eine Wohltat. Die italienische Grenze ist hier übrigens nur noch 25 Kilometer von uns entfernt. 

Wirklich überraschend für uns, ist allerdings erst der Blick auf die gegenüberliegende Seite. Dafür verlassen wir die Gondel, steigen über einige Stufen ins Bergrestaurant hinab und durchschreiten die Schiebetür hinaus auf die Aussichtsterrasse. Urplötzlich stehen wir hier dem Panorama der Montebello-Kurve gegenüber, nein, wir stehen mittendrin!

Um uns herum genießen Skifahrer die Frühlingshaften Verhältnisse. Gigantische Bergflanken ziehen unsere Blicke auf sich. Auf dem Persgletscher können wir 200 Meter unter uns einige Seilschaften erkennen. Die Bergsteiger streben den berühmten Cambrenabrüchen entgegen. Diese Spaltenzone des Gletschers liegt auf etwa 3200 Metern höhe und wirkt schon von der Panoramaterrasse der Diavolezza wie ein riesiges Labyrinth, bestehend aus haushohen Eisschollen. Talena und Mark, die beiden Gewinner dieser Reise ins Engadin, sind sichtlich beeindruckt. Die Aussicht sei umwerfend, flüstern sie in die kalte Bergluft, vor allem, weil sie noch nie im Engadin, geschweige denn so weit über den Engadiner Gletschern waren. Und so lassen wir uns gemeinsam nur zu gern in den Höhenrausch verfallen – auch wenn sich die dünne Luft beim Treppensteigen durchaus bemerkbar macht.

Schweizer Luxusleben auf fast 3000 Metern
Das Bergpanorama ist das eine, hier oben auf dem mächtigen Diavolezza-Kamm. Das andere ist, wie man hier oben den Tag verbringen kann. Natürlich auf den Pisten, den Gletschern und den Gipfeln der Umgebung. Aber es sich so richtig gut gehen lassen, die Seele baumeln lassen, das kann man eben auch, hier oben am Berghaus Diavolezza. Dafür kommt nun auch schon die mitgebrachte Badebekleidung zum Einsatz. Auf der Aussichtsplattform des Hauses blubbert und sprudelt nämlich ein dampfender Whirlpool: Das Jacuzzi Diavolezza. 

Man muss schon zweimal hinsehen. So einen Luxus, in solch einer Umgebung, derart hoch auf einem alpinen Berg gelegen, das gibt es nicht oft. Deswegen lassen es sich Talena und Mark nicht nehmen und tauchen auch gleich ein. Eiswasser, frische Erdbeeren, ein gutes Glas Bier und immer die umwerfende Aussicht auf Piz Bernina und seine Nachbarn. Ein einzigartiger Blick aufs ewige Eis der Schweizer Alpen, der durch den Kontrast zum heißen Sprudelwasser nur noch intensiviert wird. Eine Stunde später setzen sich zwei relaxte, entspannte und völlig begeisterte Gewinner an unseren Tisch. Sprachlos sind sie, suchen nach Worten. Uns reicht aber schon das Strahlen in ihren Augen, welches uns unmissverständlich klarmacht, dass dieses Erlebnis noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Begeisterung wird natürlich beim Abendessen gleich aufrechterhalten. Perfekt gebratenes Rindfleisch aus der Region, knackige Salate, Bündnerfleisch und Fondue. Während langsam Ruhe auf der Diavolezza einkehrt, die Gondel ihren Tagesbetrieb einstellt, genießen wir ein gelungenes Menü, dem es an nichts fehlt. Der spätere Bezug der gemütlichen Doppelzimmer setzt dem Aufenthalt hier oben die Krone auf. Modern eingerichtete Räumlichkeiten, die den Hotels im Tal in nichts nachstehen. Fast könnte man hier vergessen, wo man sich befindet. Wäre da nicht das Zimmerfenster mit überwältigendem Gletscherblick.

Glüna Plaina
Draußen wird es derweil dunkler und dunkler. Im letzten Abendlich bestaunen wir noch durch das an der Aussichtsplattform montierte Spektiv die orangerot leuchtenden Eisgipfel. Dann kommt die Nacht. Eine außergewöhnliche Nacht!

Glüna Plaina ist romanisch und bedeutet Vollmond. Der steht schon eindrucksvoll am Himmel und bringt die Gletscher um uns herum in einem sanften Graublau zum Leuchten. Durch die Panoramaschieben des Restaurants ist davon nicht viel zu sehen – die Spiegelung verhindert einen klaren Durchblick. Doch geht man einmal mehr durch die Schiebetür hinaus auf die Aussichtsplattform und gibt dort den Augen einige Minuten zur Adaption, dann kann man es sehen: Die Alpen leuchten!

Plötzlich kommt auch wieder in reges Treiben auf. War es noch in den vergangenen Stunden außergewöhnlich still hier oben, so schnallen sich nun wieder die Wintersportler ihre Sportgeräte unter die Füße und gleiten lautlos hinab. Dafür hat die Diavolezzabahn extra wieder ihren Dienst aufgenommen. Bis 23.30 Uhr heißt es dann: Vollmondskifahren!

Anfangs stehen wir noch etwas ratlos über der Piste. Funktioniert das wirklich? Ganz ohne Stirnlampe oder irgendeine andere künstliche Lichtquelle? Auch Talena und Mark tasten sich ganz langsam ran. Aber schon nach den ersten Schwüngen trifft unsere Gruppe am Pistenrand zu einer kurzen Besprechung zusammen. Tatsächlich! Das funktioniert! Sehr gut sogar. Jeder erzählt schon jetzt begeistert von seinen ersten Eindrücken, vom Gefühl, so ausgesetzt und weit oben auf einem Berg. Mitten in der Nacht. 

In der Gondel wäre diese Begeisterung wieder einmal allen sofort anzusehen. Aber auch hier ist es stockfinster – damit man den einmaligen Blick über die vom Glüna Plaina beleuchteten Alpen genießen kann. Einmalig! Und auf eine gewisse Arg beängstigend schön.

Auf zur Gemsfreiheit!
Der gestrige Tag war lang, die Nacht demnach recht kurz. Wenn man aber um Mitternacht direkt von der Piste ins Bett fällt, dann schläft man gut. Selbst auf fast 3000 Metern. Wir sind aber nicht nur deswegen die ersten am Frühstückstisch. Wir erwarten schon bald Marcel, der mit der ersten Gondel zu uns hinauffahren möchte. Gemeinsam mit dem lokalen Bergführer wollen wir nämlich den Gletscher des Engadins noch näherkommen. Und nicht zuletzt, weil die mächtigen Gletscherspalten sogar im Mondschein unübersehbar waren, genießen wir am heutigen Tag besser das Wissen, die Erfahrung und Sicherheit eines Bergführers.

Marcel begrüßt uns, nicht ohne sich selbst noch einen Kaffee zu gönnen. So viel Zeit haben wir heute. Denn während die ersten Seilschaften schon längst auf dem Weg zum Piz Palü sind, beginnt unser Tag eher entspannt und genussvoll. Sogar auf eine schöne Pulverabfahrt dürfen wir uns freuen, berichtet uns Marcel. Trotzdem aber werden wir in hochalpinem Gelände unterwegs sein. Eine komplette Lawinenausrüstung und ein bereits angelegter Klettergurt sind obligatorisch. Denn auch wenn wir unangeseilt über die Gletscher steigen werden: Im Fall der Fälle ist es zu spät, um erst dann in einen Gurt zu schlüpfen.

Unsere Skitour bietet nicht nur ein außergewöhnliches Panorama, sondern auch noch eine weitere Besonderheit. Wir starten eben nicht mit angelegten Steigfellen, sondern mit einer Abfahrt über 200 Höhenmeter. Eisig und knifflig sind hier einige Passagen, doch das Können der beiden Gewinner reicht aus, um diese Abfahrt von der Diavolezza sicher und schnell hinter uns zu bringen. Unten angekommen werden dann die Felle angelegt und die eigentliche Tour beginnt. Wir steigen in südwestlicher Richtung mitten in die Bergwelt hinein.

Marcell weiß vieles über diese Berge und Gletscher zu erzählen, während wir die zweieinhalb Kilometer über den nahezu flachen Vadret Pers queren. Besonders beeindruckend sind dabei die Anzeichen für den Gletscherschwund. So mächtig diese Eisriesen auch wirken, sie sind bedrohte, hochsensible Naturschönheiten, die sich Jahr für Jahr schneller zurückziehen. Für Talena und Mark, die noch nie einen Fuß auf einen Gletscher gesetzt haben, ist das ein ebenso eindrücklicher Moment wie für alle anderen. Und selbst Marcel, der fast täglich hier seiner Arbeit nachgeht, ist eine gewisse Ehrfurcht anzumerken.

Gipfelmomente!
Wir passieren eindrucksvolle Gletscherspalten. Wir nehmen wahr, wie sich die Gestalt des mächtigen Piz Palü von Minute zu Minute ändert. Und wir sehen, wie sich das Berghaus auf der Diavolezza zusehends von uns entfernt. Keine zwei Stunden nach unserem Aufbruch erreichen wir so die ersten Felsrippen des Fortezza-Grates. Diese fast anderthalbtausend Höhenmeter überwindente Felsrippe zieht von den sogenannten Bellavistaterrassen herab. Diese Gletscher-Plateaus überragen selbst die Diavolezza noch um 800 Meter und sind von ganz unten, von der Panoramakurve im Tal, noch gut zu sehen. 

Unser Gipfel geht in dieser bombastischen Bergwelt beinahe unter: Die Gemsfreiheit ist zwar nicht sehr viel mehr als eine markante Schulter des Fortezzagrates, doch diese Schulter bietet so einiges: Eine wahnsinnige Aussicht. Hinab ins Tal, aber auch hinauf auf den Bernina mit seinem berühmten Biancograt, der weiß leuchtenden Himmelsleiter. Dem wohl schönsten Firngrat der Alpen.

Natürlich aber bietet die Gemsfreiheit auch eine überaus lohnende Abfahrtsmöglichkeit. Mehr als 1300 Höhenmeter. Oben noch mit staubendem Pulver und perfekt geneigten Hängen. Zwischendrin mit spannenden Passagen, in denen wir ohne Bergführer ganz bestimmt nicht den richtigen Durchschlupf gefunden hätten. Mit einigen Schwüngen, die wir direkt vor dem mehr als eintausend Meter hohen Gletscherbruch des Piz Bernina in den Frühjahrsschnee pflügen. Und mit einem flachen, dafür aber felsdurchsetzten Abschnitt, der noch einmal unsere Kraft und Technik fordert. Marcel wusste schon, dass uns hier ein sulziges Ende bevorsteht. Er wusste aber auch, dass wir oben am Gipfel nicht aus dem Staunen kamen und uns viel mehr Zeit fürs Genießen und Fotografieren gönnten als geplant. So ist das eben im Frühling. Und wie wir uns gegenseitig zur erfolgreichen Gletscher-Skitour gratulieren, sind wir uns auch sicher: So wie es ist, ist es gut!

Hoch, höher, Corvatsch
Uns allen stecken die letzten Tage in den Knochen. Ein Grund mehr, vor der Abreise noch einige Genussmomente einzusammeln – darüber sind wir uns einig. Darum starten wir den letzten Tag der Gewinnspiel-Reise wieder mit einer kraftsparenden Aufstiegsvariante: Der Gondel hinauf ins Corvatsch-Skigebiet. Dabei knacken wir sogar den Höhenrekord! 3303 Meter über dem Meer, aber mal wieder mit großem Wetterglück und gewohnt gut präparierten Pisten. Mühelos wedeln wir so die sonnigen Hänge hinab. Allerdings nicht ohne den gestrigen Tag wieder und wieder Revue passieren zu lassen. Denn uns gegenüber stehen auch hier Bernina und Co. Diesmal allerdings Blicken wir aus einer ganz neuen Perspektive auf dieses Bergmassiv, in dem sich nun der kecke Piz Roseg in Szene zu setzen weiß. 

Genuss-Skifahren auf wahrlich höchstem Niveau. Doch im Engadin weiß man einmal mehr selbst das noch zu toppen: Die Tische des Bergrestaurants bieten die wohl beste Aussicht, die man sich nur ausmalen kann. Schon beim Platznehmen sind wir uns alle einig, dass dieser der wohl schönstgelegene Esstisch sein wird, an dem wir bis dato saßen. Und so ist es dann auch. Ein auf den Punkt gegartes Entrecote. Ein kühles Bier. Die wärmende Sonne. Und das Prachtpanorama. Wieder erinnern wir uns an unseren ersten Ausblick, den wir von der Talstraße hier herauf erhaschten. Wieder versuchen wir uns klarzumachen, dass wir uns nun inmitten dieser Postkartenidylle befinden. Allerdings gelingt uns das nicht ganz – es braucht einfach mehr Zeit, um zu realisieren, was in den letzten drei Tagen passiert ist. 

Autor: Benni Sauer 

Kommentar verfassen