Schnupperstunde Schweiz – Der Herbst im Kanton Waadt

Sonnenstunden und Schmuddelwetter

Es ist bereits Ende September. Die Tage werden spürbar kürzer, die Sonne wird langsam schwächer und der erste Morgennebel hängt schwer über dem Genfersee. Hier im äußersten Westen der Schweiz hat der Herbst Einzug gehalten. Als Marion und Gabi im hübschen Alpenörtchen Villars-sur-Ollon aus dem Zug treten, weht ihnen frische Bergluft entgegen. Auf 1200 Metern befindet sich der Bahnhof. In der Schweiz zeigt sich einmal mehr, wie schön und unkompliziert die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln doch sein kann. Entspannt und voller Vorfreude, so stehen sie da – auch wenn die Wettervorhersage es nicht gerade gut mit den beiden Gewinnerinnen meint.

Marion und Gabi teilen ihre Erlebnisse im Kanton Waadt.

Ankommen – wohlfühlen

Das Örtchen Villars bietet Platz für 1200 Einwohner. Schon seit 1901 ist es an das Schienennetz der Bex-Villars-Bretaye-Bahn angeschlossen. Nur einen Steinwurf vom Genfersee entfernt, führt von hier ein Übergang nach Les Diablerets. Das berühmte Col de la Croix ist vor allem für Fans der Tour de France ein Begriff. Marion und Gabi möchten die beinahe 1800 Meter hohe Passstraße noch heute mit Akkuunterstützung erradeln. Doch erst einmal wollen sich die beiden Hessinnen einen Überblick verschaffen. Und das geht nirgendwo besser als auf der Sonnenterrasse des wunderbaren Villars Palace.

Der Prachtbau beherrscht das charakteristische Bild des Örtchens. Neben dem Hotel gibt es aber vor allen Dingen kleinere Holzhäuser und verwinkelte Straßen zu entdecken. Die Alpenidylle wirkt fast wie aus einem Bilderbuch und gipfelt mit dem Panorama, welches die Freundinnen während des Begrüßungssnack genießen können. Über den geschindelten Dächern, ragt die 3258 Meter hohe Bergkette der Dent du Midi. Der erste Schnee hat diese Gipfel schon längst eingezuckert. In der Herbstsonne wirken die Berge daher noch höher, noch steiler und noch schöner.

Von der Bahn in den Sattel

Die Sonne strahlt angenehm warm. Erste Schleierwolken kündigen aber schon den nahenden Wetterumschwung an. Lang hält es die Gewinnerinnen daher nicht auf ihren Plätzen. Raus solls gehen. In die Bergnatur der Schweizer Alpen. Davor nur noch der schnelle Check-in in die Villars Lodge. Das kleine Häuschen direkt hinter dem Hotel wirkt von innen überraschend geräumig. Es stellt das perfekte Basislager für ein abwechslungsreiches Aktivprogramm dar.

Keine 30 Minuten später im Ortskern. Bikeguide Quentin steht da schon mit den E-Bikes parat. Der junge Schweizer wohnt im Ort nebenan, kennt die hiesigen Berge wie seine Westentasche – sommers wie winters. Und er weiß: Jetzt, in der Übergangsjahreszeit, lohnen sich die Radtouren der Region ganz besonders. Gespannte Blicke werfen sich da Marion und Gabi zu. Und nach einer kurzen Einweisung, lassen sich die drei mühelos den Berg hinaufschieben.

Einige gemütliche Radminuten später finden sich die Bikerinnen in einem tiefen Tal wieder. Solalex, so der klingende Name dieses Platzes. Eingekesselt von den spiegelglatten Wänden der L’Argentine und dem Bollwerk des 2789 Meter hohen Culan, weiden hier auf einer fast topfebenen Wiese Kühe. Bilderbuchromantik! Gabi findet bereits hier ganz unverhofft ihr Highlight des heutigen Tages. Das Radeln zwischen dem Weidevieh hindurch, lässt endlich echtes Bergfeeling aufkommen. Das Panorama im Rücken tut sein Übriges. Zu diesem Zeitpunkt wissen Gabi und Marion noch nicht, dass sie auf der Radtour noch ein weiteres Mal den gehörnten Tieren naherücken werden.

Quentin steht aufrecht da und klatscht laut in die Hände. Eigentlich schlängelt sich der Guide viel lieber geschickt die Trails der Region herunter. Heute aber gibt’s keinen Geschwindigkeitsrausch. Die Rindviecher stehen stur da und blockieren ignorant den Weiterweg. Für die beiden Gewinnerinnen der Herbstreise ist die geplante Radtour ohnehin schon anspruchsvoll genug. Die steilen Passagen, das ständige Auf und Ab, das alles bereitet zwar Freude, nagt aber auch an Kondition und Mut. Eine Horde gehörnter Tiere wirkt in dieser Situation ganz besonders, vor allem wenn man sich nur mit Mühe zwischen mächtigen Schädeln hindurchquetschen kann. Glücklicherweise zeigt Quentins beharrliches Klatschen irgendwann seine Wirkung. Mit einer gehörigen Portion Respekt schieben sich die Radlerinnen durch die Tiere. Die stehen nur kauend da, so als hätten sie die Besucher überhaupt nicht wahrgenommen.

Ab in den Berg!

Ein kühles Getränk, eine gute Schweizer Küche und eine erholsame Nacht später. Der Regen holt die letzten bunten Blätter von den Bäumen. Raus gehen will heute niemand ernsthaft. Für Tage wie diesen hält die Region aber eine wirklich sehenswerte Schlechtwetteralternative parat. Die Salzminen von Bex! Bergerlebnisse, gerade in der Schweiz, sind meist geprägt von weiten Blicken, frischer Luft und jeder Menge Tageslicht. Aus all dem wird heute nichts. Marion und Gabi tauschen deswegen völlig zu Recht neugierige Blicke aus. Dann aber heißt es auch schon „Kopf einziehen“!

In der winzigen Bahn ist es laut. Gerade noch saßen die Freundinnen im unterirdischen Eingangskino, wo sie Informationen und Instruktionen für die kommenden Stunden erhielten. Jetzt quetschen sie sich in zwei der engen Sitzplätze und ducken sich reflexartig weg, so niedrig saust die Decke des Schachtes über den Zugabteilen hinweg.

1500 nahezu waagrechte Meter werden so zurückgelegt. Anderthalb Kilometer in den Berg hinein. Von nun an befinden sich über den Köpfen der Besucher 600 Meter massiver Fels. Im Inneren des Berges taucht man da umso schneller in die aufregende Geschichte des Bergbaus ein. Unvorstellbar, mit welchen Mitteln schon vor hunderten von Jahren hier Salz gewonnen wurde. Heute sind davon noch immer die Spuren, aber auch Ausrüstung und sogar ganze Stollenschächte zu begutachten. Von Thema zu Thema schlendert man so durch konstant 18 °C warme Stollen, lernt und staunt, und bleibt nebenbei sogar ganz und gar trocken.

Regen, Kaminfeuer und Schweizer Käse

600 Meter unter der Erde lagern auch einige große Kreisrunde Käselaibe. Gruyere ist auf ihnen zu lesen. Der Hartkäse kommt aus dem gleichnamigen, nur wenige Kilometer entfernen Greyerz und genießt heute weltweit einen besonderen Ruf. Käsefreunden läuft hier schon beim reinen Anblick das Wasser im Munde zusammen. Probiert werden darf aber nicht. Noch nicht!

Eine ruckelige Zugfahrt später, blinzeln die Bergmänner und -frauen wieder dem Tageslicht entgegen. Natürlich gibt es dann auch noch eine kleine Verkostung. Das Salz aus den Mienen von Bex auf Gemüse, auf Crackern und natürlich auf Käse. Immerhin werden hier 10.000 Tonnen des weißen Goldes abgebaut. Pro Jahr!

Was folgt ist eine Entspannungseinheit in den Bädern von Villars. So kann man ganz einfach das Schmuddelwetter Schmuddelwetter seinlassen und relaxt in den Saunen, in den Pools, oder auf der Massagebank. Ein gelungenes Abendessen beim Italiener ums Eck (die italienische Grenze liegt hier tatsächlich nur 40 Kilometer entfernt) und ein entspannter Abend in der gemütlichen Lounge der Villars Lodge beenden diesen trüben Herbsttag.

Leider startet der nächste Morgen ebenso wolkenverhangen wie der gestrige. Die Berggipfel werden derweil zweifelsfrei weißer und weißer. Vom frisch gefallenen Herbstschnee bleibt unten in Villars aber nicht viel mehr übrig als ein stetiger, sanfter Nieselregen. Deswegen überfahren wir das Col de la Croix nicht wie geplant mit dem Rad, sondern mit dem Auto. Wenigstens ein klein bisschen Bergnatur wollen Gabi und Marion an ihrem Abfahrtstag aber dann doch noch einfangen.

Die kleine Runde um den Lac Retaud ist bei dem Regenwetter grade noch so machbar. Dann aber zieht es uns schon wieder unter ein Dach. Genauer unter das Dach der kleinen Hütte direkt neben der Talstation der Seilbahn hinauf aufs Col du Pillon. Ein Abschiedsbrunch ist hier angerichtet. Den staunenden Augen der beiden Gewinnerinnen ist da nur zu gut anzusehen, dass diese Überraschung ein echter Erfolg war: Reich ist der Tisch gedeckt. Im Hintergrund knistert angenehm das Kaminfeuer. Und natürlich darfs dann auch noch ein Glas Sekt sein. Oder Zwei. Die wunderbaren Öffentlichen Verkehrsmittel der Schweiz machen es ja schließlich möglich.

Autor: Benni Sauer